Stopfleber verschwindet aus 7 Restaurants

Unsere Aktionen begannen im April 2024 vor dem Restaurant Rim Wang. Mit ausdrucksstarken Plakaten und durch zahlreiche Redebeiträge bezogen wir klar Stellung gegen Tierausbeutung – insbesondere gegen jene, die durch den Verkauf von Foie Gras unterstützt wird. Obwohl der Inhaber zunächst entschlossen war, weiterhin Stopfleber zu verkaufen, zeigte er nach fünf Demonstrationen Einsicht und bietet sie seitdem nicht mehr an.
Erfreulicherweise war unser Engagement in anderen Fällen bereits im Vorfeld erfolgreich: Zwei weitere Gaststätten – die Villa Hammerschmiede in Pfinztal sowie das Restaurant Portale 50 in der Innenstadt – reagierten auf unseren schriftlichen Appell und beendeten den Verkauf von Foie Gras.
Ein weiteres Restaurant entfernte Stopfleber unter der Bedingung von der Karte, dass wir zu einem persönlichen Gespräch vor Ort bereit seien. Diesem Wunsch kamen wir nach, und auch hier konnten wir einen weiteren Erfolg verzeichnen. Der Bitte des Besitzers um Anonymität kommen wir nach.
Im Juni 2025 haben wir unseren Aktionsradius auf Heidelberg und Mannheim ausgeweitet. Das Restaurant Möbius in Schwetzingen führte ein Stopfleber-Gericht mit dem Zusatz „Ent(e)zückend“ auf seiner Abendkarte. Auch auf der Speisekarte des Restaurants Le Comptoir 17 in der Mannheimer Innenstadt konnte man Entenstopfleberterrine entdecken. Beide Restaurants entschlossen sich dazu, keine Stopfleber mehr anzubieten. Ende des Monats beendete auch das Restaurant Backmulde in Ladenburg den Verkauf des grausamen tierischen Produkts.
Unsere Strategie: Druckkampagnen
Der Erfolg unserer Proteste basiert auf einer noch eher wenig verbreiteten Protestmethode: Druckkampagnen (engl. Pressure Campaigns). Um beispielsweise Restaurants von unseren Forderungen zu überzeugen, setzen wir auf regelmäßige Demonstrationen, bei denen wir unsere Anliegen vor allem durch eine klare und kraftvolle Präsenz unüberhörbar machen. Die nachfolgenden Aspekte solltet ihr über Druckkampagnen wissen.
1. Bleibt bei der konkreten Forderung
Wenn die Forderung ist, dass ein Unternehmen eine pelzfreie Firmenpolitik ankündigt, erwähnt kein Leder. Erwähnt keine Daunen. Erwähnt keine exotischen Häute. Erwähnt keine Wolle.
Wenn die Forderung ist, dass ein Geschäft Foie gras (Stopfleber) aus dem Sortiment nimmt, erwähnt keine Milchprodukte. Erwähnt keine Eier. Erwähnt keinen Honig.
Ja, das sind ebenfalls grausame Industrien, aber wenn ihr sie erwähnt, schadet ihr möglicherweise dem Erfolg der Kampagne. Der Sinn einer Pressure Campaign ist, eine realistische Forderung zu stellen, von der man denkt, dass das Unternehmen sie umsetzen könnte – wenn genug Druck ausgeübt wird. Sobald ihr Dinge erwähnt, die über diese Forderung hinausgehen, verändert ihr die Kampagne grundlegend.
Beispiel: Ein Unternehmen überlegt ernsthaft, Pelz aus dem Sortiment zu nehmen. Dann hört es, dass einige Aktivisten auch fordern, Leder zu streichen. Sie verkaufen nur ein bisschen Pelz, sodass sich der Ärger mit den Aktivisten nicht lohnt. Aber Leder verkauefn sie viel. Wenn das Unternehmen denkt, dass die Aktivisten erst dann afuhören, wenn der ganze Laden vegan ist, warum sollten sie dann überhaupt mit dem Verkauf von Pelz aufhören? Sie haben keinen Anreiz mehr.
2. Wenn das Unternehmen die Forderung erfüllt, lasst es in Ruhe
Man könnte denken „Wow, sie haben gerade aufgehört, Pelz zu verkaufen – jetzt geben wir richti Gas und fordern, dass sie keine exotischen Häute mehr anbieten!“ Wenn ihr das Unternehmen nicht für eine bedeutende Zeitin Ruhe lasst, schadet ihr möglicherweise den Tieren.
Dasselbe Prinzip wie zuvor: Wenn ihr sofort mit Protesten eggen exotische Häute weitermacht, könnte das Unternehmen denken: „Es bringt nichts, exotische Häute zu streichen. Danach protestieren sie halt wegen Seide. Diese Aktivisten hören nicht auf, bis wir komplett vegan sind. Warum sollten wir also überhaupt etwas ändern? Vielleicht nehmen wir die Entscheidung keinen Pelz mehr zu verkaufen zurück.“
Falls ihr zu dem Unternehmen zurückkehren wollt, gibt ihm eine lange Pause, sodass es denkt: „Okay, wenn wir jetzt auch das nächste Produkt rausnehmen, hören die Proteste wirklich für eine lange Zeit auf, bevor sie uns wieder ins Visier nehmen.“
Sobald Pelz komplett verschwunden ist, könnt ihr bspw. zu exotischen Häute übergehen. Es gibt noch genug Unternehmen, die Pelt verkaufen, um uns eine Weile zu beschäftigen.
3. Wenn es schon eine laufende Kampagne gibt, startet keine neue mit einer anderen Forderung
Wenn ihr das tut, schwächt ihr die Erfolgsaussichten beider Kampagnen.
Beispiel: Gruppe A versucht, ein Restaurant dazu zu bringen, Foie gras zu streichen. Gruppe B kommt hinzu und startet eine Kampagne gegen Oktupus auf derselben Speisekarte. Dass beides runtergenommen wird, ist unwahrscheinlicher.
Vielleicht verkauft das Restaurant nicht genug Foie gras, um dem Druck standzuhalten. Vielleicht auch nicht genug Oktupus. Aber beides zusammen bringt wohlmöglich so viel ein, dass sie dem Druck eine viel längere Zeit oder sogar für immer standhalten.
Wenn es ein anderes Restaurant gib, welches Oktupus verkauft, wählt dieses aus. Oder noch besser: Unterstützt die Aktivisten, die versuchen, den Verkauf von Stopfleber zu beenden.
Außerdem: Andere Restaurants, die überlegen, Stopfleber zu streichen, könnten denken: „Als das Restaurant aufhörte, Stopfleber zu verkaufen, gingen die Priteste trotzdem weiter. Dann können wir auch gleich weiterhin Stopfleber verkaufen, wenn sie ohnehin weiter gegen uns wegen anderer Produkte protestieren werden.“
4. Pressure Campaigns sind strategisch
Es geht nicht darum, eine Tierart für wichtiger zu halten als eine andere. Es geht um Strategie.
Ein Teil dieser Strategie besteht darin, die Meinung der nicht-veganen Mehrheit zu nutzen – also gezielt dort anzusetzen, wo die Ablehnung gegen Tierausbeutung bereits hoch ist – um konkrete Erfolge zu erzielen.